Okzitanische und provenzalische Musik und Tänze
Okzitanische Musik und Tänze sind Volksmusiken mit großer Tradition. Über viele Jahrhunderte wurden die Musikstücke und die Lieder nicht schriftlich festgehalten oder notiert. Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und Weitergabe der alten Tänze hatten die Feste, die „Baiè“ der Dörfer, auf denen man sich regelmäßig auch für mehrere Tage traf, mit genau festgelegtem Ablauf der Vorführungen, der Musik und der Tänze. Wir wissen heute wieder, dass auch das Mairatal eine Vielfalt an Tänzen hatte, wie z.B. den Rigudin, der heute noch im Varaitatal getanzt wird oder den Courento della Rocho.
Was uns überliefert ist, ist wohl nicht mehr ganz ursprünglich, sondern aufgegangen in populäre (und höfische) Tänze der entsprechenden Regionen des alten Okzitanien.
In Gegenden, die weniger von der Migration, von grenzüberschreitendem Handel oder von durchziehenden Heeren betroffen waren, erhielten sich die Traditionen lange unverfälscht. In diesen Regionen, wie es sie in Frankreich oder den okzitanischen Tälern Italiens gab, konnten sie im Verlauf des 19.Jhts. von verschiedenen Sammlern oder Wissenschaftler zusammengetragen werden; z.B. von der Familie Guilcher in Frankreich, von Sergio Arneodo in Italien, von Giampiero Boschero im Varaitatal. Folge dieser Sammlungen war die Verbreitung der okzitanisch/ provenzalischen Tänze auch in städtischen Gegenden Frankreichs und Italiens, wodurch sie häufig ihre charakteristischen Eigenarten verloren. Diese waren nämlich ganz unterschiedlich ausgeprägt – von Dorf zu Dorf, selbst von Familie zu Familie.
Viele Tänze sind aber auch ab dem 19.Jht. durch die massenhafte Emigration aus den Bergregionen, wo sich die Kontinuität der Familientraditionen am reinsten erhalten hatte, verloren gegangen. Der ganz große Bruch erfolgte durch die Auswanderungen in der Zeit nach dem 2.Weltkrieg, während man in den 70er Jahren mit dem „Folkrevival“dann auch hier begann die Traditionen wieder zu entdecken.
Obwohl heute alle Möglichkeiten vorhanden wären, Musik und Tänze genau zu notieren, gibt es doch eine gewisse Abneigung der Musikwissenschaftler der Musiker und auch der Tanzlehrer, die okzitanischen Tänze genau auf- und damit vorzuschreiben, weil sie fürchten, damit den Charakter der okzitanischen Tänze zu verändern, deren Verlauf eben nicht streng vorgeschrieben war und der sich deshalb auch stets etwas änderte und entwickelte.
Unter den vielen Veranstaltungen der Folk-Music ragt hier besonders der Roumiage de Septembre heraus, ein internationales Treffen der „Provenzalen“, das seit über 40 Jahren in Sancto Lucio de Comboscuro im Valgrana stattfindet und auf dem sich jedes Jahr Tausende Liebhaber der okzitanischen Musik einfinden. Dieser Event findet im Gebirge an der Grenze zwischen Italien und Frankreich statt, den so genannten Provenzalischen Alpen.















